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Natasha Ginwala

Double Lives

„Alles ist Wechselwirkung.“

Alexander von Humboldt, Reisetagebuch, 1.–5. August 1803 (Mexiko)

 

Mit Präsentationen über Santiago Ramón y Cajal, Carl Wilhelm Hahn, Franz Wilhelm Junghuhn, Emin Pascha, Maharaja Sawai Ram Singh II. und Emma Hart Willard


Santiago Ramón y Cajal (1852-1934), Pyramidal Cell in Cerebral Motor Cortex, Courtesy Instituto Cajal

 

Die Bildwelt des 19. Jahrhunderts ist von zwei grundlegenden Veränderungen bestimmt: Zum einen von der Abkehr von der Naturphilosophie zugunsten einer Professionalisierung der Disziplin der Naturwissenschaften und zum anderen – dank der fortschreitenden Entwicklung der Fotografie – von einer Bewegung weg vom Original, hin zur Reproduktion. Nichtsdestotrotz war diese Epoche von sich immerfort wandelnden Charakteren bevölkert, deren Selbstbilder sich den strengen Unterscheidungen der westlichen Rationalität standhaft widersetzten.

 

Der Wunsch danach, „die Welt als Bild“ zu sammeln, beflügelte unberechenbare Reiseverläufe und führte zu hybriden Darstellungen, die nicht so recht zu den glatten Versionen der herrschenden Geschichtsschreibung passen. Der Arzt-Naturkundler, der Wissenschaftler-Verwalter, die Kartografin-Pädagogin und der Fotografen-König sind dabei symbolische AgentInnen, die das anhaltende Spannungsverhältnis zwischen Empirismus und Rationalismus aufzeigen. Die hier präsentierte, spekulative Bestandsaufnahme versammelt eine Reihe historischer Positionen, die zu einer unabgeschlossenen Moderne gehören sowie in der Tradition von persönlichen „Feldberichterstattungen“ stehen. Es geht darum, die Verstrickungen wissenschaftlicher und ästhetischer Tätigkeiten innerhalb imperialer Expansionsprozesse zu betrachten.

 

Das Phänomen der Stereoskopie – womit die frühe Fotografie die Limitierungen der zweidimensionalen Malerei überwandte – bietet dabei einen Weg, um auf die zweifache Funktion historischen Materials sowie auf das doppelte Bewusstsein der Protagonisten jener Epoche aufmerksam zu machen. Vereinfacht beschrieben, handelt es sich bei der Stereoskopie um eine Technik, bei der zwei separate Bilder visuell zu einem „Ganzen“ verschmelzen und gleichzeitig den Eindruck von Tiefe vermitteln, sobald man sie durch einen optischen Apparat ansieht. Dieser binokulare Blick entfesselt eine Art Doppelverhältnis zwischen der beobachtenden Person und der Welt als dem unter Betrachtung stehenden Material.

Double Lives beschäftigt sich mit unorthodoxen Figuren, die durch ihre jeweiligen Beschäftigungen die Trennlinie zwischen den Künsten und den Wissenschaften überschritten. Das Projekt imaginiert diese Gestalten als „stereoskopische“ Subjekte, die stets mit der Welt, die sie erfuhren, kommentierten und verwalteten, tief verbunden blieben. Durch die vernunftbasierte Kodierung von Wissensformen, die in Abkopplung der Geisteswissenschaften von den reinen Wissenschaften entstand, kollidierten diese Untersuchungen mit den Grenzlinien, welche die Subjekt-Objekt-Beziehungen neu positionieren sollten. Das stereoskopische Subjekt dient somit als ein punctum oder ein geisterhaftes Hilfsmittel, das die immanente Verbindung zwischen biografischer Ausdrucksform, materieller Geschichte und wissenschaftlichen Thesen immer wieder heraufbeschwört.

Die Präsentation umfasst eine propositionelle Geschichte über die Expedition zur Rettung Emin Paschas (1886–89). Zu den in hier gezeigten Elementen gehören eine Auswahl von Gegenständen, die von dem deutsch-jüdischen Arzt, Naturkundler und Kolonialbeamten Emin Pasha (1840–1892) zusammengetragen wurden. Zu sehen sind außerdem Reiseberichte des preußischen Naturforschers Franz Wilhelm Junghuhn (1809–1864), auch bekannt als der „Humboldt von Java“, der seine Beobachtungen geologischer, vulkanischer und botanischer Erscheinungen auf der Insel Java niederschrieb; die „universalgeschichtlichen“ Karten der Lehrerin, Frauenrechtsaktivistin und Historikerin Emma Hart Willard (1787–1870); Die Arachniden, ein mehrbändiges Übersichtswerk zu den Spinnen der Welt, mit von Hand angefertigten Zeichnungen und verfasst von dem deutschen Zoologen Carl Wilhelm Hahn (1786–1836) und dem Entomologen Carl Ludwig Koch (1778–1857); neuroanatomische Zeichnungen von Santiago Ramón y Cajal (1852–1934) über das Verhalten des Nervensystems und dessen Funktion für die visuelle Wahrnehmung sowie einige Fotografien von Sawai Ram Singh II., dem Maharadscha von Jaipur (1835–1880) sowohl als Fotografen und Modell, in denen seine Doppelrolle als moderner Herrscher und Pionier der Fotografie zur Geltung kommt.

Wenn die Kunst weiterhin die Sphäre bleibt, wo sich die Verstrickungen zwischen der Realität und der Imagination äußern lassen, um der Fixierung eines klaren Bildes von der Vergangenheit entgegenzutreten, dann belebt eine stereoskopische Lesart subjektive Elemente, denn Geschichte(n) und materielle Welt werden hier mittels der persönlichen Erfahrung ineinander verwoben. Diese Präsentation von Archivmaterial dient außerdem zur Reflexion über das Berlin des 18. und 19. Jahrhunderts – als einer Stadt der internationalen Begegnungen mit vorbildlichen Austauschprozessen in der Literatur und Wissenschaft, aber auch als einem Ort, an dem eine bestimmte imperiale Fantasie die Anstrengungen zur Nationenbildung befeuerte.

 

Natasha Ginwala

 

Besonderer Dank an Juan de Carlos (Instituto Cajal), Paola Ivanov (Museen Dahlem, Staatliche Museen zu Berlin), Giles Tillotsen (Maharaja Sawai Man Singh II Museum), Tropenmuseum Amsterdam, David Rumsey Kartensammlung, Museum für Naturkunde, Berlin. Grafikdesign: Maziyar Pahlevan

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